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Ferienhaus Lonau›Unser Fachwerkhaus
Lonau im Tal, umgeben von den bewaldeten Hängen des Nationalparks Harz
Bautagebuch · Mariental 10 · Herbst 2026

Unser Fachwerkhaus –
zurück zu Lehm, Kalk und Holz

Beide Häuser in Lonau sind Fachwerkhäuser, gebaut vor 1800. Über die Jahrzehnte kamen Baumarktfliesen, PVC, Tapeten und Kunststofffarbe dazu. Das alles kommt jetzt wieder raus. Hier schreiben wir auf, was wir tun, warum, und was wir dabei lernen.

Zwei Fachwerkhäuser, älter als 1800
Lehm, Kalk, Hanf, Holz
Mariental 10: Sanierung läuft
Strom vom eigenen Balkonkraftwerk
Unsere Idee

Warum wir zurück zu alten Materialien gehen

Ein Fachwerkhaus ist aus Holz, Lehm und Kalk gebaut. Diese Stoffe nehmen Feuchtigkeit auf und geben sie wieder ab, und solange das Holz danach trocknen kann, bleibt es gesund. So sind unsere beiden Häuser weit über zweihundert Jahre alt geworden.

Über die Jahrzehnte kam in vielen alten Häusern etwas anderes dazu, auch bei uns: Fliesen aus dem Baumarkt, PVC über den Dielen, Tapete und Kunststofffarbe auf den Lehmwänden. Das sah eine Weile ordentlich aus, passt aber nicht zum Haus.

Unser Plan: Was das Haus dicht macht, kommt raus. Hinein kommen Stoffe, die zum Fachwerk passen und die man später wieder ausbauen kann: Lehmputz und Lehmfarbe, Kalk, Hanf, Holzfaser, geölte Dielen. Den Strom liefert schon jetzt zum Teil das Balkonkraftwerk am Haus.

Wir machen das nicht über Nacht. Wir fangen mit Mariental 10 an, Am Platze 9 folgt. Hier seht ihr den Stand, mit Fotos von vorher und nachher, und was wir unterwegs lernen.

Bautagebuch

Mariental 10: wo wir gerade stehen

Das Haus wird gerade komplett saniert, Raum für Raum. Unsere eigene Regel dabei: höchstens zwei Räume gleichzeitig aufmachen und nichts aufbohren, nur um mal nachzusehen. Ein über 200 Jahre altes Haus beantwortet jede Frage mit drei neuen.

  1. Herbst 2026 · EG vorne
    PVC und Linoleum raus
    Im vorderen Zimmer lag dünnes PVC aus dem Baumarkt, darunter altes Linoleum auf Jutegewebe, zum Glück nur lose verlegt, ohne Kleber. Darunter: die alten Holzdielen.
  2. Herbst 2026 · Obergeschoss
    Kleber im Labor geprüft
    Im Obergeschoss klebten PVC-Mosaikplatten vollflächig mit braunem Kleber auf den Dielen. Bevor wir gekratzt oder geschliffen haben, ging eine Probe ins Labor, auf Asbest und PAK. Beides negativ. Erst danach ging es weiter, trotzdem mit FFP2-Maske und Absaugung.
  3. Herbst 2026 · Obergeschoss
    Eine Wand raus, eine Wand offen
    Die Wand zum alten Wannenbad war nachträglich eingezogen und nicht tragend, sie ist weg. Aus der Wand zum Wohnzimmer haben wir Schiebetür, Rigips und Lehm herausgenommen. Das Fachwerk steht jetzt frei als offener Raumteiler zwischen Küche und Wohnzimmer. Ob die Aussteifung reicht, bestätigt der Zimmerer.
  4. Herbst 2026 · Flur und Treppenhaus
    Tapeten runter, Lehm kommt zum Vorschein
    Hinter mehreren Schichten Tapete sind die Wände im Flur fast überall aus Lehm. Wir kratzen trocken, denn Lehm wird bei Nässe weich, und eine eingeweichte Tapete nimmt sonst den Putz gleich mit.
  5. Herbst 2026 · Bad unten
    Fliesen ab, Terrazzo darunter
    Unter den Fliesen im großen Bad liegt ein alter Terrazzoboden, den wir erhalten wollen. Also flach meißeln statt senkrecht, keine Säure auf die Kleberreste, später schleift ein Fachmann. Der Fliesenkleber geht vorher noch ins Labor, Kleber aus der Zeit vor den 1990ern kann Asbest enthalten.
  6. Herbst 2026 · EG vorne
    Dielen grob vorschleifen
    Die Dielen im vorderen Zimmer sind abgezogen und grob vorgeschliffen. Feinschliff und Öl kommen erst ganz am Ende, wenn Strom, Putz und Anstriche fertig sind, sonst schleift man zweimal.
  7. Als Nächstes
    Lehmputz und Lehmfarbe
    Neuer Lehmputz auf die freigelegten Wände, darüber Lehmfarbe. Alter Lehm wird vorher angefeuchtet, der Putz kommt in zwei Lagen. Spürbar fürs Raumklima wird er laut Dachverband Lehm ab etwa 1,5 Zentimetern. Mehr zu Lehmputz und Lehmfarbe.
  8. Als Nächstes
    Fachwerk bürsten und ölen
    Das freigelegte Fachwerk im Obergeschoss wird gebürstet und geölt. Vorher legen wir eine Probefläche an einer verdeckten Stelle an, denn Öl dunkelt altes Eichenholz deutlich nach.
  9. Als Nächstes
    Dielen schleifen und ölen
    Zum Schluss: Feinschliff und Öl für alle Dielenböden. Öl zieht ins Holz ein, statt wie Lack eine harte Schicht obendrauf zu legen, und Kratzer lassen sich stellenweise ausbessern. Mehr zu alten Dielen.
Vorsicht bei alten Klebern
Schwarzbraune Teer- oder Bitumenkleber unter alten Böden können PAK und Asbest enthalten, auch helle Kleber und Fliesenkleber aus der Zeit vor 1993 können asbesthaltig sein. Sicher weiß man es nur durch eine Materialanalyse. Wir schicken deshalb von jedem Bodenaufbau eine Probe ins Labor, bevor wir schleifen oder kratzen. Das gilt auch für die alte Gussasphaltschicht im Flur, die rauskommt: Gussasphalt aus älteren Jahrzehnten kann Teer und damit PAK enthalten. Arbeiten an asbesthaltigem Material dürfen nur Fachfirmen machen. Und: Mit Öl getränkte Lappen können sich selbst entzünden, also nach dem Ölen in Wasser tränken und in einem geschlossenen Blechbehälter aufbewahren.
Vorher

So sah es aus

Foto folgtPVC-Mosaikplatten auf den Dielen im Obergeschoss, eine Ecke angehoben
Obergeschoss: PVC-Mosaik, darunter die alten Dielen
Foto folgtFreigelegtes Fachwerk zwischen Küche und Wohnzimmer, Gefache leer
Die offene Fachwerkwand im Obergeschoss
Foto folgtTreppenhaus mit halb abgekratzter Tapete, darunter Lehm
Treppenhaus: unter der Tapete der Lehm
Wie es funktioniert

So ist ein Fachwerkhaus gebaut

Ein Fachwerkhaus trägt sich über ein Gerüst aus Holz. Die Felder dazwischen, die Gefache, sind nur ausgefüllt, nicht tragend.

Das Holzgerüst
Unten liegt die Schwelle, darauf stehen die senkrechten Ständer, oben schließt das Rähm ab. Waagerechte Riegel und schräge Streben machen das Gerüst steif. Die Hölzer sind traditionell gezapft und verbunden, kaum genagelt.
Die Gefache
Die Felder zwischen den Hölzern sind nur ausgefüllt, nicht tragend. Eine der ältesten Techniken: Holzstaken mit Weidengeflecht, von beiden Seiten mit Strohlehm beworfen. Später kamen auch Lehmsteine und Ziegel.
Feuchte rein, Feuchte raus
Holz und Lehm nehmen Feuchtigkeit auf und geben sie wieder ab. Zwischen Holz und Gefach bleiben feine Fugen, weil beide quellen und schwinden, dicht bekommt man die nie. Entscheidend ist, dass eingedrungenes Wasser schnell wieder austrocknen kann.
Was schadet
Holzzerstörende Pilze brauchen dauerhaft über 20 Prozent Holzfeuchte, im trockenen Haus hat Holz 6 bis 12. Gefährlich wird es, wenn Zementputz, Kunststofffarbe, Dampfsperren oder Hohlräume die Feuchte festhalten. Dann bleibt das Holz lange nass und fault, oft unbemerkt.
Die Materialien

Was wir einbauen und warum

Alles Stoffe, die es schon gab, als das Haus gebaut wurde, oder die genauso mit Feuchte umgehen.

Lehmputz
Lehm wird nicht gebrannt, nur getrocknet, und mit Wasser wird er wieder formbar. Er nimmt Luftfeuchte um ein Vielfaches stärker auf als Kalk-, Gips- oder Zementputz und puffert so die Spitzen nach Kochen und Duschen. Lüften ersetzt er nicht. Und Lehm dämmt nicht, er speichert Wärme.
Lehmfarbe
Ein dünner Anstrich aus Lehm. Allein puffert er nur kurz, die Wirkung kommt vom Lehmputz darunter. Aber er lässt den Putz arbeiten, wo eine Dispersionsfarbe die Wand zumacht. Kaputte Stellen lassen sich mit Lehm ausbessern.
Kalk
Kalkputz kann einen pH-Wert über 12 haben, oberhalb von 11 wächst Schimmel so gut wie nicht. Mit den Jahren nimmt das ab, Kalkfarbe wird deshalb erneuert. Das Umweltbundesamt empfiehlt solche alkalischen Anstriche für feuchte Räume wie Bad und Keller.
Hanf und Stopfhanf
Hanffasern füllen die Fugen zwischen Holz und Gefach und rund um die Fenster und bleiben elastisch, wenn das Holz arbeitet. Hanf dämmt und füllt, ist aber keine Luftdichtung, die braucht eine eigene Schicht. Was nicht hineingehört: absperrende Kitt- und Spachtelmassen.
Holzfaser
Platten aus Holzfasern als Dämmung von innen, die Feuchte aufnehmen können, statt sie wie eine Folie zu stauen. Im Fachwerk bleibt die Innendämmung bewusst dünn: Das WTA-Merkblatt nennt einen Grenzwert, der etwa 3 bis 4 Zentimetern Holzfaser entspricht. Mehr geht nur mit Berechnung durch Fachleute.
Geölte Dielen
Lack ist härter als das Holz, Kratzer bleiben sichtbar und kaputte Stellen muss man oft ganz abschleifen. Geölte Dielen bessert man stellenweise aus: leicht anschleifen, neu ölen.
Was weichen muss

Was raus muss und warum

Nicht alles Moderne ist schlecht für ein altes Haus. Das Problem sind Schichten, die Feuchte einsperren oder auf denen Lehm nicht hält.

Baumarktfliesen
Weniger die Fliese als der starre Zementkleber darunter: Er passt nicht zu Holz, das arbeitet, und nicht zu Lehm. Fliesenkleber aus der Zeit vor 1993 kann zudem Asbest enthalten.
PVC-Böden
Liegen wie eine Folie auf den Dielen, darunter trocknet nichts. Und laut Umweltbundesamt geben PVC-Beläge Weichmacher an Raumluft und Hausstaub ab.
Vinyl- und Schaumtapeten
Machen die Lehmwand zu und geben ebenfalls Weichmacher ab. Vor einem neuen Lehmputz muss ohnehin alles runter.
Dispersionsfarbe
Nicht giftig, es gibt sogar emissionsarme mit Blauem Engel. Aber der Kunststofffilm bremst die Feuchteaufnahme der Wand, und auf ihm hält kein Lehmputz.
Gipskarton mit Dampfsperre
Gipskarton selbst lässt Wasserdampf recht gut durch. Kritisch ist eine Dampfsperre dahinter und der Hohlraum vor der Fachwerkwand: Dort sammelt sich Feuchte, die niemand sieht. Fachgerecht geplante, feuchteabhängige Dampfbremsen sind etwas anderes.
Materialkunde

Tiefer einsteigen

Was wir beim Sanieren über die einzelnen Materialien gelernt haben, mit Arbeitsschritten, Fehlern und Quellen.

Lehmputz und Lehmfarbe
Untergrund, Vornässen, zwei Lagen, Trocknung, Anschluss ans Holz. Zur Seite.
Kalkputz und Kalkfarbe
Sumpfkalk, NHL, Kalk im Bad und am Sockel, Arbeitsschutz. Zur Seite.
Innendämmung im Fachwerk
Holzfaser, Hanf, Stopfhanf, wie dick und warum ohne Dampfsperre. Zur Seite.
Alte Dielen sanieren
Kleber prüfen und entfernen, schleifen, ölen statt lackieren. Zur Seite.
Was nicht ins Fachwerkhaus gehört
Acht Baustoffe, die Feuchte einsperren, mit Vergleichstabelle. Zur Seite.
Einkaufsliste Lehm und Kalk
Werkzeug, Schutz und Material nach Must, Should, Could, Won't. Zur Liste.
Raumklima

Was ihr als Gäste davon merkt

Lehmputz puffert Feuchtigkeit: Er nimmt sie auf, wenn gekocht oder geduscht wird, und gibt sie danach langsam wieder ab. Die Luft schwankt dadurch weniger stark. Die durchschnittliche Feuchte im Raum senkt aber nur das Lüften, das bleibt also auch bei uns wichtig. Das Umweltbundesamt empfiehlt 40 bis 60 Prozent relative Luftfeuchte.

Mit PVC-Böden und Vinyltapeten verschwinden zwei Quellen für Weichmacher in der Raumluft. Hinein kommen Stoffe aus Erde, Kalk, Pflanzenfasern und Holz.

Was wir nicht behaupten: dass Lehm Allergien lindert, Krankheiten heilt oder Gerüche und Schadstoffe aus der Luft holt. Dafür gibt es keine belastbaren Studien, und wir schreiben hier nur, was sich belegen lässt.

Auf einen Blick

Welches Material wohin passt

Wohnräume, WändeLehmputz, ab etwa 1,5 cm, darauf Lehmfarbe
Bad und KücheKalkputz und Kalkfarbe; direkt an der Dusche zusätzlich eine Abdichtung
Fugen Holz zu GefachHanf, keine absperrenden Kitt- oder Spachtelmassen
SockelKalkmörtel, keine dichten Putze
InnendämmungHolzfaser, dünn, ohne Dampfsperre und ohne Hohlraum
BödenAlte Dielen, geschliffen und geölt

Das ist unsere Faustregel, keine Planung für euer Haus. Wer selbst saniert, lässt Dämmung und Feuchteschutz von Fachleuten berechnen.

Häufige Fragen

Was wir zum Umbau gefragt werden

Habt ihr auf Schadstoffe geprüft?

Ja, und zwar für jeden Bodenaufbau einzeln. Der Kleber unter den PVC-Platten im Obergeschoss war im Labor negativ auf Asbest und PAK, erst danach haben wir weitergearbeitet. Der Fliesenkleber im Bad wird noch untersucht. Bei alten Belägen und Klebern sollte man das immer vorher tun.

Muss ein Fachwerkhaus atmen?

Nicht im Sinn von Luft. Gemeint ist, dass Feuchtigkeit durch die Wand wandern und wieder austrocknen kann. Deshalb keine dichten Schichten wie Zementputz, Kunststofffarbe oder Dampfsperren auf Fachwerk.

Warum nicht einfach neu verputzen und streichen?

Weil Zementputz und Kunststofffarbe genau das sind, was einem Fachwerkhaus schadet: Sie halten Feuchte fest, und das Holz dahinter bleibt nass. Lehm und Kalk lassen sie wieder heraus.

Dämmt Lehm?

Nein. Lehm speichert Wärme und Feuchte, gedämmt wird mit Hanf, Holzfaser oder Leichtlehm, in dem Lehm nur das Bindemittel ist.

Geht Lehm im Bad?

An Wänden, an die kein Wasser direkt spritzt, ja. Lehm wird bei Nässe aber wieder weich. An der Dusche selbst braucht es Kalk und eine Abdichtung, das ersetzt weder Lehm noch Kalk.

Ist Kalk ein Schutz gegen Schimmel?

Er wirkt schimmelhemmend, weil er stark alkalisch ist, aber nicht für immer: Mit der Zeit lässt das nach. Die Ursache von Schimmel ist immer Feuchte, also bleibt Lüften wichtig.

Gibt es Förderung für die Sanierung?

Für Dämmung zahlt das BAFA in der Bundesförderung für effiziente Gebäude einen Zuschuss, Stand Oktober 2026 15 Prozent, mit Energieberater. Bei Baudenkmälern gibt es eigene Steuerregeln. Die Steuerermäßigung nach § 35c gilt nur für selbst bewohnte Häuser. Fragt für euer Haus einen Energieberater.

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