Ein Fachwerkhaus wird nicht dicht gebaut, sondern trocken gehalten. Feuchte kommt immer hinein, durch Regen, Luft und Menschen, und sie muss wieder heraus können. Acht gängige Baustoffe verhindern genau das. Bei uns kommen sie raus, und keiner davon wieder rein.
Für die Baustelle: ausdrucken, an die Wand hängen, abhaken. Kostenlos und ohne Anmeldung.
| Material | Dampfoffen | Kapillar | Puffert | Beweglich | Rückbau | Schimmel |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Lehmputz | ✓ | ✓ | ✓ | ✓ | ✓ | ○ |
| Kalkputz | ✓ | ✓ | ○ | ✓ | ✓ | ✓ |
| Holzweichfaser | ✓ | ✓ | ✓ | ✓ | ✓ | ○ |
| Hanf, Jute, Schafwolle | ✓ | ○ | ✓ | ✓ | ✓ | ○ |
| Zementputz | ✗ | ✗ | ✗ | ✗ | ✗ | ○ |
| Gipsputz an der Außenwand | ✓ | ○ | ○ | ✗ | ○ | ✗ |
| Dispersionsfarbe | ✗ | ✗ | ✗ | ✗ | ✗ | ✗ |
| PE-Folie | ✗ | ✗ | ✗ | ○ | ✓ | ✗ |
| Glas- und Steinwolle | ✓ | ✗ | ✗ | ○ | ✓ | ✗ |
| Styropor, PU | ✗ | ✗ | ✗ | ✗ | ✗ | ✗ |
| Bauschaum | ✗ | ✗ | ✗ | ✗ | ✗ | ✗ |
| Silikon, Acryl | ✗ | ✗ | ✗ | ✗ | ✗ | ✗ |
✓ erfüllt · ○ teilweise oder nur unter Bedingungen · ✗ erfüllt nicht. Spalten: diffusionsoffen, kapillaraktiv, feuchtepuffernd, bewegungsverträglich, rückbaubar, schimmelhemmend. Unsere Einordnung für Fachwerkwände, keine Normprüfung. Auf dem Handy seitlich wischen.
Zement bindet chemisch ab und wird dicht und sehr fest. Das will man im Neubau. Am Fachwerk heißt es: Feuchte, die hinter den Putz kommt, über Risse, Fugen oder von unten, kommt kaum wieder heraus. Sie sammelt sich dort, wo das Holz sitzt.
Das Tückische: Lange sieht man nichts. Dann zeigen sich feine Risse am Übergang von Holz zu Putz, später dunkle Ränder. Wenn der Putz irgendwann abgeschlagen wird, sind Schwelle und Ständerfüße oft schon weich. Dazu kommt, dass Zement deutlich härter ist als altes Mauerwerk, Lehm oder Kalk. Arbeitet das Holz, gibt nicht der Putz nach, sondern die Verbindung reißt auf, und in den Riss läuft Wasser.
Bei uns in Mariental 10 steckt Zementputz an Außenwänden im Erdgeschoss. Er kommt runter.
Stattdessen: Kalkputz außen, Lehmputz innen. Beide sind weicher als der Untergrund, lassen Feuchte durch und lassen sich abschlagen, ohne das Holz zu beschädigen.
Gips ist leicht, schnell und wird sehr glatt. In trockenen Innenräumen ist er ein guter Baustoff, im Fachwerkhaus aber nur für Trennwände ohne Kontakt zur Außenwand. Bei anhaltender Feuchte verliert Gips an Festigkeit, und der Karton von Gipskartonplatten ist organisch, Schimmel findet darauf schnell Nahrung. Das eigentliche Problem ist meist nicht die Platte, sondern was dahinter sitzt: eine Dampfsperre oder ein Hohlraum vor der Fachwerkwand.
Eine Regel von der Baustelle: Gips und Kalk getrennt halten, mit eigenem Werkzeug und eigenen Kübeln. Gipsreste im Kalkmörtel können bei Feuchte treiben und den Putz von innen aufsprengen.
Stattdessen: Lehmputz oder Lehmbauplatten innen, Kalkputz im Bad und an feuchten Stellen. Gips nur an trockenen Innenwänden ohne Außenkontakt.
Dispersionsfarbe besteht aus Kunststoffteilchen in Wasser. Beim Trocknen verschmelzen sie zu einem geschlossenen Film, deshalb ist sie wischfest und deckt gut. Giftig ist sie nicht, es gibt sogar emissionsarme mit Blauem Engel. Aber der Film liegt genau dort, wo der Feuchteaustausch stattfinden müsste: an der Oberfläche. Er bremst die Wand, und auf ihm hält kein Lehmputz mehr. Beim Entfernen kommt oft der Putz darunter mit.
„Es ist doch nur Farbe“ stimmt deshalb nicht ganz. Für die Wand ist ein Kunststoffanstrich eher eine dünne Haut als ein Anstrich.
Stattdessen: Lehmfarbe, Kalkfarbe oder Kaseinfarbe. Alle bleiben offen und lassen sich später überstreichen.
Eine PE-Folie ist praktisch dampfdicht. Im Neubau sitzt sie innen vor der Dämmung und hält die Raumfeuchte aus dem Aufbau heraus. Das funktioniert, weil ein Neubau ringsum trocken und genau geplant ist. Im alten Fachwerk kommt Feuchte aber auch von außen, durch Schlagregen, Fugen und den Sockel. Die Folie hält sie dann im Aufbau fest. Die Wand kann zu keiner Seite mehr trocknen.
Wichtig ist der Unterschied zwischen Dampfsperre und Dampfbremse. Eine feuchtevariable Dampfbremse, wie man sie im Dach einsetzt, schließt sich im Winter weitgehend und öffnet sich im Sommer, sodass der Aufbau nach innen zurücktrocknen kann. Das Fraunhofer-Institut für Bauphysik hält sie auch bei Fachwerk-Innendämmung für sinnvoll. Erkennen kann man sie daran, dass ihr sd-Wert als Spanne angegeben ist. Steht nur ein fester, hoher Wert drauf, ist es eine Sperre.
Stattdessen: Im Gefach und hinter einer Innendämmung keine Folie, sondern ein Aufbau, der Feuchte verteilt. Im Dach die feuchtevariable Dampfbremse, luftdicht verklebt.
Feine Mineralfasern schließen viel ruhende Luft ein, daher kommt die Dämmwirkung. Der Stoff selbst nimmt kein Wasser auf und transportiert keines. Wo Dampf in der Wand zu Wasser wird, bleibt es liegen, und nasse Wolle dämmt kaum noch. Das Umweltbundesamt hält Mineralwolle als Innendämmung deshalb nur bei geringer Dämmstärke oder mit Dampfbremse für geeignet.
In trockenen Innenwänden zum Schallschutz und in Installationsebenen ohne Außenkontakt ist Steinwolle dagegen unproblematisch. Dort gibt es keine Feuchte, die weg muss.
Stattdessen an Außenwand und Dach: Holzweichfaser oder Zellulose. Beide können Feuchte aufnehmen, verteilen und wieder abgeben. Mehr dazu auf unserer Seite zur Innendämmung im Fachwerk.
Geschlossenzellige Kunststoffschäume dämmen sehr gut bei geringer Dicke und nehmen kaum Wasser auf. Unter Bodenplatten ist das richtig. An einer Fachwerkwand wirken sie wie eine aufgeklebte Sperre: Feuchte dahinter bleibt dort. Und weil die Platte starr ist und die Wand nicht, entstehen an den Rändern Hohlräume. Schimmel bildet sich dort unsichtbar, bemerkt wird er oft erst am Geruch.
Stattdessen: Holzweichfaserplatten, vollflächig im Lehm angesetzt, ohne Hohlraum. Für Fugen gestopfter Hanf, Jute oder Schafwolle.
Die drei Produkte gehen schnell und sind später unsichtbar. Deshalb landen sie so oft am Fachwerk.
Silikon bleibt elastisch und haftet sehr gut auf glatten, dichten Flächen wie Glas und Fliese. Auf porösem Lehm und Kalk findet es keinen dauerhaften Halt, und das Holz bewegt sich über das Jahr mehr, als eine schmale Fuge mitmacht. Die Fuge reißt einseitig auf, meist am Holz. Wasser läuft hinein und kann hinter der dichten Haut nicht mehr abtrocknen.
Ausnahmen: Sanitärsilikon an Wanne, Dusche und Waschbecken und die Fuge zwischen Glas und Fensterrahmen. Dort sind beide Seiten dicht und glatt.
Stattdessen: Den Kellenschnitt zwischen Putz und Holz offen lassen, ein sauberer Spalt ist besser als eine gerissene Dichtung. Wo es dicht sein muss: Hanfstopfung, Lehmschlämme, Leinölkitt, außen ein Kompriband.
Bauschaum dehnt sich aus, füllt jeden Spalt, klebt und dämmt, und ist nach Minuten fest. Am arbeitenden Holz reißt die Klebefläche aber mit der Zeit ab. In den Spalt zieht Wasser, das der Schaum festhält. Luftdicht ist Schaum allein ohnehin nicht, dafür braucht es eine eigene Schicht. Und beim Ausbau bleibt er am Holz kleben und muss abgeschabt werden.
Stattdessen: Die Fuge mit Hanf oder Jute stopfen, außen Kompriband, innen Lehmschlämme. Drei Handgriffe mehr, dafür hält der Anschluss.
Nein. An trockenen Innenwänden ohne Kontakt zur Außenwand ist er unproblematisch. Kritisch wird er vor der Fachwerk-Außenwand, vor allem mit Dampfsperre und Hohlraum dahinter.
Eine dichte Dampfsperre gehört nicht hinein. Eine feuchtevariable Dampfbremse kann dagegen richtig sein, im Dach fast immer, bei Innendämmung je nach Aufbau. Das sollte ein Energieberater mit Fachwerkerfahrung festlegen.
Weil die Klebefläche am arbeitenden Holz mit der Zeit abreißt und der Spalt dann Wasser zieht. Gestopfter Hanf, außen ein Kompriband und innen Lehmschlämme halten auf Dauer.
In der Regel nicht, emissionsarme Farben tragen den Blauen Engel. Das Problem ist bauphysikalisch: Der Kunststofffilm bremst den Feuchteaustausch, und auf ihm hält kein Lehmputz.
Die Bauphysik haben wir aus Fachquellen zusammengetragen, Stand Oktober 2026. Sie ersetzt keine Planung durch Fachleute für euer Haus. Zum Weiterlesen:
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