Kalk ist der zweite alte Baustoff in unserem Haus. Er kommt dorthin, wo es nass wird oder wo Lehm nicht hingehört: ins Bad, an den Sockel, nach außen. Hier steht, welcher Kalk wofür taugt, wie Kalkfarbe hält und warum die Schutzbrille Pflicht ist.
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Branntkalk entsteht, wenn Kalkstein bei 900 bis 1200 Grad gebrannt wird. Er muss gelöscht werden, und das erzeugt viel Hitze. Das ist nichts für Heimwerker.
Kalkhydrat (Weißkalkhydrat, Weißfeinkalk) ist trocken gelöschter Kalk, ein Pulver. Sumpfkalk ist nass gelöscht und unter Wasser gelagert. Chemisch ist es dasselbe, Sumpfkalk wird mit der Zeit nur feiner. Beides sind Luftkalke, sie härten nur an der Luft, indem sie Kohlendioxid aufnehmen, und bleiben weich.
NHL, natürlich hydraulischer Kalk, wird aus kalkhaltigem Mergel gebrannt und härtet zusätzlich mit Wasser. Die Zahl dahinter ist die Mindestdruckfestigkeit: NHL 2 für weiche Putze und Fugen im Fachwerk, NHL 3,5 für Ziegel, NHL 5 für massives Mauerwerk. Vorsicht bei Säcken, auf denen nur HL steht: Darin kann Zement stecken, oft ohne volle Deklaration.
Und noch eine Falle: Manche „Kalkfarben“ aus dem Handel enthalten Kunstharz, ohne dass es groß draufsteht. Auf eine Volldeklaration achten. Ein Dispersionsanteil unter einem Prozent ist bei Fertigprodukten üblich, mehr nicht.
Den Lehm vorsichtig mit Sprühnebel annässen, nicht durchweichen. Die Kalkfarbe für geglätteten Lehmputz mit etwa 25 Prozent Wasser verdünnen, für gefilzten mit 15 bis 20 Prozent.
Lehm und Kalk verbinden sich nur mechanisch. Der Lehm muss ganz durchgetrocknet sein, außen erst nach einer Heizperiode. Dann abkehren, vornässen und eine Kalkmilch oder Kalkschlämme (Kalk zu Wasser etwa 1 : 4 bis 1 : 5) mit dem Quast auftragen und mit Gummihandschuhen einarbeiten. So entsteht eine Haftzone.
Am Balken legt man eine keilförmige Anschlussfuge an, etwa 2 Zentimeter breit und 3 bis 4 tief, und füllt sie mit Kalkmörtel. Ein zweilagiger Kalkputz auf Lehm soll nicht dicker als etwa 1,5 Zentimeter werden. Außen auf der Wetterseite springt der Putz an der Holzkante nur etwa einen Millimeter zurück: Ein breiter Kellenschnitt wirkt dort wie ein Trichter für Regen.
Reine Kalkfarbe ist oft nicht wischfest. Mit Kasein, also Quark oder Kaseinpulver, bindet sie Pigmente besser und färbt weniger ab. Der Nachteil: Kasein ist biologisch abbaubar und kann vergilben.
Die IG Bauernhaus hat ein Leserrezept für etwa 10 Quadratmeter auf Lehmputz veröffentlicht: 1,25 kg Sumpfkalk, 0,25 kg Quark ohne Lab, 10 ml Distelöl, 1,75 l Wasser. Vorher eine dünne Kalkschlämme einarbeiten, ganz dünn streichen, immer vornässen. Nach zwei Anstrichen sah es gut aus, war aber nur mäßig abriebfest, die Autorin rät zu mehr Öl. Ein Erfahrungswert, kein geprüftes Produkt.
Zum Abtönen bindet Kalk nur etwa 5 Prozent Pigment, in Einzelfällen bis 10. Kräftige Töne gehen deshalb kaum. Nur kalkechte, also alkalibeständige Pigmente nehmen, Erdfarben wie Ocker und Umbra sind es.
Kalkhydrat ist mit dem Gefahrenhinweis „verursacht schwere Augenschäden“ eingestuft. Laut Berufsgenossenschaft Bau entstehen Verätzungen der Augen überwiegend durch alkalische Stoffe wie Kalk, und Alkalien dringen sehr schnell durch die Hornhaut. Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat Unfallberichte mit Baustoffen ausgewertet: 85 von 592 betrafen Verätzungen beim Kalken von Wänden und Ställen.
Deshalb: Schutzbrille, am besten eine geschlossene Korbbrille, Handschuhe, lange Ärmel. Immer, auch für fünf Minuten über Kopf.
Meist drei bis vier dünne Anstriche, mit etwa einem Tag Trockenzeit dazwischen. Erst dann deckt sie.
Meist ist sie aufgebrannt: Der Untergrund war zu trocken oder die Farbe zu dick. Vorher satt vornässen, vor jedem Anstrich einnebeln, dünn streichen.
Ja. Den Lehm vorsichtig annässen und die Kalkfarbe stärker verdünnen, etwa 15 bis 25 Prozent Wasser je nach Oberfläche.
Für weiche Putze und Fugen im Fachwerk NHL 2 oder Luftkalk. Säcke mit nur „HL“ meiden, darin kann Zement stecken.
Er wirkt schimmelhemmend, weil er stark alkalisch ist, aber das lässt mit den Jahren nach. Die Ursache von Schimmel ist immer Feuchte, Lüften bleibt wichtig.
Die Angaben haben wir aus Fachquellen und Herstellerblättern zusammengetragen, Stand Oktober 2026. Sie ersetzen keine Planung und nicht das Merkblatt des Produkts, das ihr verwendet. Zum Weiterlesen:
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