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Ferienhaus Lonau›Unser Fachwerkhaus›Innendämmung im Fachwerk
Lonau im Tal, umgeben von den bewaldeten Hängen des Nationalparks Harz
Bautagebuch · Materialkunde

Fachwerk von innen
dämmen

Bei unserem Sichtfachwerk kommt eine Dämmung von außen nicht in Frage. Bleibt die Innendämmung, und die ist im Fachwerk das heikelste Thema überhaupt: Fehler beschädigen hier das Haus, nicht nur das Budget. Hier steht, was wir gelernt haben, bevor wir eine Außenwand anfassen.

Holzfaser und Hanf
Ohne Dampfsperre, ohne Hohlraum
Erst rechnen lassen, dann bauen
Der Grundsatz

Warum Innendämmung im Fachwerk riskant ist

Ohne Dämmung kann eine Fachwerkwand nach beiden Seiten austrocknen, auch zum Raum hin. Eine Innendämmung macht die Wand kälter und verringert ihre Toleranz gegenüber Feuchte. Das Fraunhofer-Institut für Bauphysik rät deshalb, sie nur bei geringer Schlagregenbelastung einzusetzen und jeden Hohlraum zwischen Dämmung und Wand zu vermeiden. Ein Holzfaser-Hersteller ergänzt: Stark bewitterte Seiten nur innen dämmen, wenn sie außen zusätzlich verkleidet sind, etwa verschiefert.

Für uns heißt das: Bevor wir eine Außenwand anfassen, rechnet ein Energieberater mit Fachwerkerfahrung den Aufbau durch. Für Fachwerk mit Schlagregen und Feuchtetransport geht das nur mit einer hygrothermischen Simulation, die gängige Software dafür heißt WUFI und stammt vom Fraunhofer IBP. Nicht jeder Energieberater rechnet das selbst, also vorher fragen.

Stand in Mariental 10: Die Außenwände sind noch nicht gedämmt. Diese Seite ist unsere Vorbereitung.

Wie dick?

Eine feste Zahl gibt es nicht

WTA-Merkblatt 8-1 (in der vom IBP zitierten Fassung)Wärmedurchlasswiderstand höchstens 0,8 m²K/W, das entspricht etwa 3 bis 4 cm Holzfaser
Holzfaser-System eines Herstellers für Fachwerkhöchstens 60 mm, vollflächig geklebt und zusätzlich gedübelt
Fraunhofer IBP, sorgfältig und luftdicht gebautdeutlich mehr möglich, mit Nachweis
Fraunhofer IBP, Anschlüsse nicht dauerhaft sicherhöchstens 1 m²K/W, sonst steigt die Feuchte an den Balkenköpfen
Kapillaraktive mineralische Plattenbei fachgerechtem Anschluss bis etwa 10 cm gerechnet
Mehr als 100 mmbringt laut Hersteller beim Wärmeschutz kaum noch etwas, erhöht aber das Feuchterisiko

Unser Fazit: moderate Stärken, und die genaue Dicke für jede Wand rechnen lassen.

Der Aufbau

So wird Holzfaser innen angebracht

Nach dem Fachwerk-System eines Holzfaser-Herstellers. Andere Systeme weichen im Detail ab, maßgeblich ist das Merkblatt des Produkts.

1. Holz überspannen
Die Fachwerkhölzer bekommen einen Putzträger, vorzugsweise Schilfrohr.
2. Lehm als Ausgleich
Ein Grundputz gleicht die Unebenheiten der alten Wand aus. Lehm eignet sich besonders, weil er sich gegenüber Feuchte ähnlich verhält wie Holz.
3. Vollflächig kleben
Die Platten vollflächig und ohne offene Fugen ankleben, damit kein Hohlraum entsteht. Keine zementhaltigen Kleber.
4. Zusätzlich dübeln
Weil Fachwerk sich bewegt, wird zusätzlich zur Verklebung mechanisch befestigt.
5. Putz mit Gewebe
Lehm- oder Kalkputz darauf, Gewebe vollflächig mit mindestens 10 cm Überlappung. Zum Schluss Lehmfarbe.
6. Luftdicht anschließen
Laibungen mitdämmen, Anschlüsse an Decke, Boden und Innenwände luftdicht ausführen, Steckdosen luftdicht setzen. Der vollflächige Innenputz bildet in diesem System die luftdichte Schicht, also bis an alle Ränder durchziehen.
Folie oder nicht

Dampfsperre, Dampfbremse oder gar nichts?

Eine dichte Dampfsperre ist im Fachwerk schädlich, darüber sind sich alle einig: Die Wand kann dann kaum noch zum Raum hin trocknen.

Bei der feuchtevariablen Dampfbremse gehen die Meinungen auseinander. Der Holzfaser-Hersteller hält Dampfbremsen bei seinem Fachwerk-System für nicht empfehlenswert und setzt auf einen Aufbau, der Feuchte verteilt. Das Fraunhofer IBP sieht eine feuchtevariable Bremse bei Faserdämmstoffen dagegen positiv, sie schließt sich im Winter weitgehend und öffnet sich im Sommer. Für Vorsatzschalen aus Ständerwerk und Platten verlangt auch der Hersteller ein feuchtevariables Dampfbremsvlies.

Für uns heißt das: kein Dogma, sondern eine Entscheidung je Wand, gerechnet vom Planer.

Hanf und Stopfhanf

Hanf in Fugen, am Fenster und als Matte

Stopfhanf am Fenster

Ein Fenster wird ohne Bauschaum so eingebaut: zuerst mechanisch im Mauerwerk oder Fachwerk befestigen, dann die verbleibende Fuge mit Stopfmaterial füllen, also Hanf, Flachs, Wolle oder Kokos. Raumseitig kommt eine Lage, die Dampf bremst, außen ein Anschluss, der Schlagregen abhält und trotzdem offen ist. Stopfmaterial schwindet nicht, dämmt die Fuge und lässt sich beim Ausbau wiederverwenden.

Fugen zwischen Holz und Gefach

Zwischen Balken und Gefach entstehen immer Schwindfugen, weil Holz und Lehm quellen und schwinden. Gestopfter Hanf füllt sie und bleibt elastisch. Er ist aber keine Luftdichtung, dafür braucht es den Putz oder eine eigene Schicht. Und keine absperrenden Kitt- oder Spachtelmassen hinein.

Wie fest man stopft, dazu gibt es keine verlässliche Fachquelle, nur Herstellerangaben. Wir halten uns an die Merkblätter des Produkts.

Hanfmatte oder Holzfaserplatte

Holzfaserplatten sind fest genug, um sie zu kleben und direkt zu verputzen. Hanf- und weiche Holzfasermatten sind biegsam und gehören in eine Ständer- oder Lattenkonstruktion mit Bekleidung, also in eine Vorsatzschale.

Brandschutz

Holzfaser brennt

Holzfaserdämmung ist normal entflammbar, Baustoffklasse B2 beziehungsweise Euroklasse E. In notwendigen Treppenräumen müssen Bekleidungen, Putze und Dämmstoffe nicht brennbar sein. Kleine Wohngebäude der Gebäudeklassen 1 und 2 brauchen zwar meist keinen eigenen Treppenraum, aber wie das im eigenen Fall aussieht, klärt man mit der Bauaufsicht.

Bei uns kommt an die Wand zum Nachbarhaus keine Holzfaser: Sie wäre dort brennbar, und dämmen würde sie nichts, denn dahinter steht ein beheiztes Haus. Lehmputz ist dagegen nicht brennbar. Eine Fachwerkwand mit Lehmausfachung und mindestens einseitig 1,5 cm Putz ist in der DIN 4102-4 als feuerhemmend eingestuft.

Häufige Fragen

Was wir zur Innendämmung gefragt werden

Wie dick darf eine Innendämmung im Fachwerk sein?

Belegt ist ein älterer WTA-Grenzwert, der etwa 3 bis 4 cm Holzfaser entspricht. Mit sorgfältiger, luftdichter Ausführung und Nachweis geht mehr, ein Hersteller nennt für sein Fachwerk-System höchstens 60 mm. Für jede Wand rechnen lassen.

Darf ich Mineralwolle mit Folie nehmen?

An der Fachwerk-Außenwand besser nicht. Mineralwolle transportiert keine Feuchte, und eine Dampfsperre hält sie im Aufbau fest. Kapillaraktive Stoffe wie Holzfaser oder Kalziumsilikat sind geeigneter.

Brauche ich eine Dampfbremse?

Eine dichte Dampfsperre nein. Ob eine feuchtevariable Dampfbremse sinnvoll ist, hängt vom Aufbau ab, darüber sind sich auch Fachleute nicht einig. Das entscheidet der Planer für die konkrete Wand.

Wer rechnet das?

Ein Energieberater mit Fachwerkerfahrung, am besten mit hygrothermischer Simulation. Experten für die Bundesförderung findet man in der Energieeffizienz-Expertenliste.

Bauschaum ums Fenster?

Nein. Fenster zuerst mechanisch befestigen, dann mit Hanf oder Flachs stopfen, innen dampfbremsend, außen schlagregendicht anschließen.

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